Über Kasachstan und Russland an die georgische Grenze

Zurück vom Aralsee liefen die nächsten Schritte wie am Schnürchen. Denn in weniger als 24 Stunden flog ich in die Hauptstadt Tashkent, holte dort auf der russischen Botschaft zum vereinbarten Termin unser Transitvisa ab und war auch schon wieder zurück bei Verena.

Ich halte das langersehnte Transitvisa in Händen - ganz sicher war dies bis zum Ende nicht

Aber auch Verena war in dieser stressigen Phase nicht unproduktiv, denn in der Nähe ihres Hotels gab es ein gutes Café mit echtem! Cappuccino sowie einen netten Park für die sonnigen Nachmittagsstunden.

Und so saß wenigstens sie am nächsten Morgen schön ausgeruht auf dem Beifahrersitz, als wir die 1200km lange Strecke über Kasachstan an die russische Grenze in Angriff nahmen. Auf diesem Abschnitt knackten wir dann auch unseren 30.000sten Reisekilometer, wofür Knupfer von uns wohlwollend getätschelt wurde.


Unerwarteter Besuch einiger "Locals" bei unserem Stellplatz

Zwischenzeitlich spüren wir auch, dass sich die Reisesaison in Zentralasien dem Ende entgegen neigt. Denn überall hat das Laub nun schöne Herbstfarben, nachts kühlt es teils empfindlich ab und die Tage werden immer kürzer. Und so freut es uns umso mehr, wenn wie so oft an den Stellplätzen schön viel trockenes Holz vorhanden ist und wir die Abende am wärmenden Feuer ausklingen lassen können.


Langsam mischen sich Herbstfarben unter das Grün

Wir hatten ja ehrlich gesagt etwas Bammel, ob uns die Russen reinlassen würden, aber tatsächlich sollte dies einer der schnellsten Grenzübertritte unserer Reise werden. Verena konnte nicht einmal ihr Müsli fertig essen, da waren wir schon auf russischen Straßen unterwegs.

Im ersten Städtchen nach der Grenze füllten wir dann bei einem Einkaufzentrum unsere Vorräte auf. Von den verhängten Sanktionen des Westens scheint hier noch nichts angekommen zu sein. Denn sämtliche Regale waren proppevoll mit den üblichen westlichen Produkten gefüllt, fast fühlten wir uns wie zuhause. Nebenan konnte man sich den neusten Samsung-TV oder ein I-Phone kaufen und für den kleinen Hunger zwischendurch hatte man die Qual der Wahl zwischen Subway und Burgerking.

Für das Transitvisa mussten wir vor Einreise genau angeben, wie wir durch das Land fahren würden, hierfür wurden uns schlussendlich fünf Tage gewährt. Diese Route interpretierten wir aber eher als grobe Orientierungshilfe und nutzten die Zeit für einen Kurztrip durch die Region Dagestan.

Zu Beginn besuchten wir den Sulak Canyon, welcher eine Tiefe von bis zu 1920m erreicht. Da Dagestan geografisch zu Europa gehört, kann dieser somit als tiefster Canyon des Kontinents bezeichnet werden (Funfact: Der Sulak Canyon ist sogar 63m tiefer als der Grandcanyon in den USA).



Beim Sulak Canyon - noch mit guter Sicht

Anfangs hatten wir hier noch eine wunderschöne Sicht, aber je höher wir fuhren, desto mehr machte uns eine Schlechtwetterfront einen Strich durch die Rechnung (Herbst halt). Schlussendlich campierten wir an einem Aussichtspunkt ohne Aussicht bei dichtem Nebel und Regen, der leider auch am nächsten Morgen einfach nicht abreisen wollte.

Campen beim Aussichtspunkt - leider machte uns Nebel und Regen einen Strich durch die Rechnung

Im Anschluss machten wir einen „kleinen“ 300km Abstecher entlang der Kaspischen See nach Derbent. Denn hier ist das Ekroplan (Spitzname: Kaspisches Seemonster) gestrandet. Das ursprünglich strenggeheime Flugobjekt wurde 1975 in der Sowjetunion entwickelt und bis in den späten 1990er Jahren von der russischen Marine genutzt.

Das Besondere daran ist, dass es weder Schiff noch Flugzeug ist, sondern zu den sogenannten „Bodeneffekt-Fahrzeugen“ gehört. Mit bis zu 550km/h konnte das Teil 4m über der Wasseroberfläche fliegen und dabei eine Last von bis zu 100 Tonnen tragen.

Der Clou ist, dass aufgrund der geringen Flughöhe und da kein Wasserkontakt besteht, die Ortung mittels Radar bzw. Sonar quasi unmöglich ist.

Wie auch immer – aus irgendwelchen Gründen liegt das Ding nun seit Jahrzehnten am Strand der Kaspischen See und Verena konnte nicht so ganz nachvollziehen, weshalb ich bei der Erkundung meine helle Freude hatte.



Beim "Kaspischen Seemonster"

Letzter Stopp in Dagestan war die Sarykum Düne. Dieser gigantische Sandhaufen liegt inmitten von grünen Wäldern und Wiesen und passt eigentlich so gar nicht in diese Gegend. Hier trotzten wir dem immer noch schlechten Wetter und erklommen ausgestattet mit Regenjacken den Gipfel.

Auf der Sarykum Düne - natürlich darf auch hier der Nebel nicht fehlen

Langsam aber sicher mussten wir uns nun wieder in Richtung Grenze begeben. Auf dem Weg dahin versuchten in Tschetschenien wieder einmal zwei Polizisten mit uns Kasse zu machen. Aber wie so oft half auch hier eine stoische Gelassenheit sowie vollkommenes Dummstellen. Nach 5 Minuten gaben die Polizisten auf und wir konnten ohne Schmiergeldzahlung weiterfahren.

An der Grenze ging dann erst einmal alles recht schnell, nur wurden wir kurz vor Ausreise aus der Schlange gefischt und mussten in einem Nebenraum eine Stunde ohne jegliche Erklärung der Dinge ausharren.

Irgendwann wurden mir dann einige Fragen gestellt, wie zum Beispiel ob ich beim Militär war und was ich von Olaf Scholz halte. Meine Antworten haben dann scheinbar nicht ganz so gefallen, denn der freundliche Herr bezeichnete mich doch glatt als Faschist.

Aber nachdem sie dann auch noch ein paar Urlaubsbilder sowie die Kontaktlisten auf unseren Handys durchgesehen hatten, waren die „Genossen“ wohl überzeugt, dass wir keine Agenten sind und wir konnten in Richtung Georgien weiterziehen.

Generell ist zu sagen, dass alle Russen, auch die Offiziellen, unglaublich freundlich zu uns waren – bedenkt man die aktuelle politische Lage ist dies doch erwähnenswert.

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