Aralsee

Eine Reise durch Zentralasien ohne den Aralsee zu besuchen wäre fast schon ein Verbrechen. Und so machten wir uns als letzte Station in Usbekistan auf den Weg in diese abgeschiedene Region.

Eine schwimmende Brücke auf dem Weg zum Aralsee - während sich der Verkehr seinen Weg bahnt, schweißen Arbeiter neue und alte Stahlbleche fest, um zumindest die großen Löcher zu bedecken

Noch in den 1960er Jahren war der Aralsee mit seinen reichen Fischgründen und florierenden Hafenstädten der viertgrößte Süßwassersee der Welt. Heute erinnert daran jedoch nicht mehr viel, denn Wasserverschwendung sowie der Jahrzehnte lange Fokus auf wasserintensive Baumwollmonokulturen führte zu einer der größten durch Menschenhand verursachten Umweltkatastrophen. Heute scheint der Klimawandel dem Ganzen zudem noch den Rest zu geben.

Eines der Baumwollfelder entlang des Weges

Das verlorengegangene Wasservolumen könnte hundertmal den Bodensee füllen und wo früher Boote schipperten, ist heute überwiegend Wüste zu sehen. Übriggeblieben sind lediglich zwei kleinere Seen, von welchen einer künstlich angestaut ist und der andere so salzhaltiges Wasser hat, dass kein Fisch überleben kann.

Die angrenzenden, ehemals fruchtbaren Böden versanden und versalzen zusehends, die freigesetzten Aerosole führen darüber hinaus zu Krankheiten und starke Sandstürme sowie extreme Temperaturschwankungen sind eher die Regel als eine Ausnahme.

Unser erster Halt in dieser deprimierenden Gegend war die einstige Fischerstadt Muynak, von deren ehemaligem Ufer aus man nun einen wunderschönen Weitblick auf das ausgetrocknete Seebett hat.

Hier erkundeten wir beim sogenannten Schiffsfriedhof die im Sand und zwischen Sträuchern liegenden, vor sich hin rostenden Fischkutter. Anschließend fuhren wir in die Wüste hinein, machten auf Muschelresten ein Feuerchen und nächtigten dort, wo diese Boote einst schipperten.



 
Beim Schifffriedhof in Muynak - so ganz sehtauglich sind diese Kutter nicht mehr

Lagerfeuerromantik im Aralsee

Über Schotterpisten ging es am nächsten Tag 5 Stunden durch das ausgetrocknete Seebett, denn wir mussten ca. 100km Strecke hinter uns bringen, um das heutige Ufer zu erreichen, so weit hat sich das Wasser zwischenzeitlich zurückgezogen.




Ich halte Ausschau nach den letzten Resten des Aralsees...

...lange suche ich jedoch vergebens

Erstmal am verbleibenden Teil des Sees angekommen, wirkte dann alles fast schon idyllisch. Das einstige Ufer ist nun ein wunderschöner Canyon und das blau schimmernde Wasser wird von einem feinen Sandstrand umrahmt. Wäre die Geschichte dahinter nicht so traurig, könnte man sich glatt über den schönen Anblick erfreuen.

Beim Sammeln von Feuerholz - heute wird gegrillt

Unser Abendschmaus - gegrillte Kartoffeln, Curryblumenkohl und Zimtkarotten


Blick auf einen der letzten Reste des Aralsees

Nachdem wir die Füße ins Wasser des Aralsees gestreckt und unser Auto beinahe im feinen Sand versenkt hatten, hieß es nach einer Nacht an den Klippen auch schon wieder Abschied nehmen.


Über die endlose Steppe ging es zurück in die Zivilisation, wo wir unser Transitvisum für Russland abholen wollten.

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