Über Umwege nach Tadschikistan

Nach Kirgisistan sollte es auf den Pamir Highway in das benachbarte Tadschikistan gehen. Aufgrund einer territorialen Streitigkeit ist ein direktes Queren derzeit jedoch offiziell nicht möglich - die Grenzen sind seit geraumer Zeit komplett geschlossen.

Nun hatten wir jedoch eine Sondergenehmigung erhalten. Mit dieser, so versicherte uns das kirgisische Tourismusbüro, wären wir die ersten Touristen überhaupt, welche die Grenze wieder queren würden.

Zwar hatten wir in Zentralasien schon mehrfach am eigenen Leib erfahren müssen, dass es hier nicht unbedingt ratsam ist, Dinge als erstes zu versuchen, aber auf einmal mehr oder weniger kam es nun auch nicht mehr an. Und so machten wir uns auf den Weg zu einem der weltweit höchsten Grenzübergänge.

Als wir nach einem halben Tag Fahrtzeit den kirgisischen Grenzposten mitten im Nirgendwo erreichten, waren alle Tore verschlossen und keine Menschenseele zu sehen. Wir überlegten schon wieder kehrt zu machen, als sich endlich ein Grenzbeamter zeigte. Da wir die einzige Kundschaft waren und es scheinbar sonst nichts zu tun gab, hatte sich bald die gesamte Belegschaft in lässigen Freizeitschlappen um unser Fahrzeug zum Plausch versammelt. Und tatsächlich, nach einigen Telefonaten durften wir (als erste Touristen überhaupt) den Grenzposten in Richtung Tadschikistan verlassen.

Nun folgten 20km Fahrt durch neutrales Niemandsland. Der Weg führte immer weiter in die Höhe und mit jedem Meter wurde der Weg schlechter und schlammiger. Aber irgendwann hatten wir uns bis zum verschneiten 4300m hohen Bergpass hochgewühlt und standen vor dem tadschikischen Grenzposten.

Im "Niemandsland" zwischen Kirgisistan und Tadschikistan

Der verschneite 4300m hohe Bergpass kurz vor dem tadschikischen Grenzposten

Nun schauten diese Beamten aber noch verdutzter als die kirgisischen und wussten so gar nicht, was sie mit uns anfangen sollten. Und da es an diesem gottverlassenen Ort mitten in den Bergen keinen Handyempfang gab, musste ein Mitarbeiter mit seinem Geländewagen erst einmal 30km ins nächste Tal fahren, um seinen Vorgesetzten nach Rat fragen zu können.

Aufwärmen im Nachtlager der tadschikischen Grenzsoldaten - in mancher Gefängniszelle ist es gemütlicher

Verena fühlt sich sichtlich wohl

Nach Stunden des bangen Wartens kam dann die Ernüchterung, denn die Grenze sollte für uns verschlossen bleiben, da half kein Bitten und Betteln.

Und so ging es nach einem langen Tag zurück nach Kirgisistan, wo wir unser Nachtlager in einem ausgetrockneten Flussbett aufschlugen. Nach einer erfrischenden Morgendusche bei 2,5°C Außentemperatur waren die Lebensgeister dann jedoch wieder geweckt und nach einem langen Transittag erreichten wir über das neutrale Usbekistan schlussendlich doch noch tadschikischen Boden.

Stärker hätten die Kontraste nicht sein können, denn das hohe Gebirge mit seinen schneebedeckten Gipfeln war nun dem flachen Land gewichen. Und an Frostbeulen war nicht mehr zu denken, denn wir schwitzten bei über 30 Grad.


Ganz flach war es nach dem Grenzübergang dann doch nicht, anfangs querten wir eine wunderschöne Schlucht

Abendessen in Dushanbe, der Hauptstadt Tadschikistans - "Kurutob" eines der wenigen Gerichte ohne Fleisch (dafür seeehr gehaltvoll)





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