Weiterfahrt am seidenen Faden

Vor Reiseantritt war für uns noch nicht sichergestellt, ob wir es mit unserem Auto bis nach Zentralasien entlang der Seidenstraße schaffen würden. Zwar gäbe es in einer normalen Welt eine Vielzahl von „klassischen“ Routen, aber keine dieser Varianten ist aktuell wirklich für uns umsetzbar.

Russland treibt Krieg, Aserbaidschan lässt aus unerfindlichen Gründen das Einreisen lediglich auf dem Luftweg zu, Turkmenistan hat sich seit Corona komplett eingeigelt und in Afghanistan herrschen nun die Taliban.

Und so suchten wir insbesondere in den letzten Wochen unseres Iranaufenthaltes nach alternativen Wegen, wie es weitergehen könnte.

Verena schrieb nahezu täglich Nachrichten an die Konsulate der Region. Den spärlichen Rückmeldungen nach zu urteilen, sind ihre Mails aber direkt im Spamordner der Botschaften gelandet, denn nur wenige erbarmten sich zu einer Antwort.

Und so schmissen wir mehrmals täglich die Pläne über den Haufen. Mal wollten wir in den Oman übersetzen, dann überlegten wir unser Auto zu parken, ja selbst Bestechungsversuche ließen wir nicht aus.

Schlussendlich hatten wir im Iran dann aber eine Firma ausfindig gemacht, welche anbot, unser Auto mittels Fähre über die Kaspische See nach Kasachstan zu transportieren. Da die Fähre keinen Personentransport anbot, mussten wir jedoch auf dem Landweg nach Armenien reisen und von dort ein Flugzeug nach Kasachstan nehmen.

Dies hörte sich für uns (den Umständen entsprechend) nach der idealen Lösung an, zudem wurde uns eine attraktive Zeitschiene zugesichert. Jedoch ahnten wir da noch nicht, worauf wir uns eingelassen hatten.

Die Fährverbindung wurde erst kurz vor Corona eingeführt und so waren wir laut Hafenzoll die ersten Reisenden überhaupt, welche dieses Unterfangen in Angriff nahmen.

Somit hatte keine der beteiligten Schnittstellen auch nur den Hauch einer Ahnung, wie der Prozess vonstatten zu gehen hat. Wurden uns anfangs noch 1-2 Tage Bearbeitungsdauer versprochen, bis unser Auto verladen werden könne, warteten wir schlussendlich 4 lange Tage bei brütender Hitze am Straßenrand auf den Abschluss der Zollformalitäten. Selbstverständlich kam auch noch ein Wochenende und einer der vielen iranischen Feiertage on top dazu. Gepaart mit vollkommen intransparenten Vorgängen, wurde dies zu einer nervenaufreibenden Geduldsprobe.

Warten, warten...

...und nochmals warten



Am Wochenende lernten wir in der Wechselstube Hassan kennen, welcher uns mit seinem Cousin kurzerhand zu einer Wanderung einlud und uns so die Wartezeit etwas verkürzte

Und zu einer ordentlichen Wanderung mit Iranern gehört natürlich auch ein Feuer, Chai und viel Kebab

Als dann endlich alles erledigt war, hatten wir unsere geplante Fähre natürlich verpasst. Wann die nächste Fähre gehen würde, konnte uns auch keiner so recht sagen.

Spätestens in einer Woche, so versprach man uns aber, könnten wir unser Auto in Kasachstan in Empfang nehmen. Aus heutiger Sicht klingt dies wie der blanke Hohn, denn eine Woche sollte bei weitem nicht ausreichen.

Da durch die ganze Warterei auch noch unser Visum auslief, mussten wir das Land verlassen und darauf hoffen, dass mit der Verschiffung alles klar geht. Dass die Zollbehörden uns falsch und unzureichend gestempelte Dokumente mit auf den Weg gaben, trug nicht gerade zu einer sorgenfreien Abreise aus dem Iran bei.

Zum Abschied vom Iran schauten wir nochmals bei einer Moschee vorbei

Und tatsächlich, auch nach 2 Monaten Kebab, habe ich immer noch mein Kampfgewicht von 75 kg (aus Diskretionsgründen, habe ich an dieser Stelle auf ein Bild von Verena verzichtet)

9633 km hatten wir im Iran mit Knupfer zurückgelegt und den geringen Benzinpreisen zum Dank lediglich 93€ für Kraftstoff ausgegeben (kein Tippfehler!). Sich nun wieder in Busse zu quetschen und ohne Sternenhimmel in Hostels zu nächtigen, viel uns nicht gerade leicht.

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