Vashlovani-Nationalpark (oder wir machen das Offroad-Seepferdchen)

Der nun besuchte Nationalpark im Südosten Georgiens hat ein signifikantes Alleinstellungsmerkmal, denn das Auto muss hier nicht draußen bleiben, ganz im Gegenteil, es wird sogar zwingend benötigt.

Das Areal ist zu weitläufig, als dass man es vernünftig durchwandern könnte, und so können die Routen mittels Allradfahrzeug erkundet werden.

In 4 Tagen fuhren wir mehr als 400 Kilometer (überwiegend im ersten und zweiten Gang) über Stock und Stein. Mal folgten wir ausgetrockneten Flussbetten in einer Mondlandschaft, dann fanden wir uns in einer Steppenlandschaft wieder und fühlten uns wie auf einer Safari in Afrika. Glücklicherweise folgte einem Geraschel im Busch für üblich lediglich ein eher träge dreinschauender Wiederkäuer und kein Löwe.

Grand Canyon Feeling in Georgien









Sovjetflair am Stausee - die Fenster müssen hier nicht mehr geputzt werden

An einigen Stellen gibt es sogenannte "Mud-Vulcanos", die einen fördern Teerpampe zu Tage...

...an anderer Stelle greift die Unterwelt um sich

Da musste ich natürlich gleich mal einen Finger reinstecken und nach dem Rechten schauen

Verena machte in der Zwischenzeit lieber Morgenyoga



Abends suchten wir uns dann stets einen einsamen Stellplatz mitten im Nirgendwo, wo wir nach großartigen Sonnenuntergängen beim Einschlafen den Sternenhimmel durch unser Dachfenster beobachten konnten.
Hin und wieder schauten abends vierbeinige Locals vorbei

Nicht nur wir hatten unser Schlafgemach dabei


Einen Abend hatten wir uns dann doch zu nahe an die aserbaidschanische Grenze getraut, was nicht ganz ohne Folgen blieb. Von Grenzsoldaten auf Patrouille entdeckt, mussten wir die Zelte abschlagen und unser Schlafgemach mehr ins Landesinnere verlegen.

Abgesehen von diesem kleinen Zwischenfall lief alles vollkommen reibungslos. Insbesondere unser kleines Reisemobil entpuppte sich im Gelände als überaus brauchbarer und zuverlässiger Gefährte. Nun zahlten sich die vor Abreise spendierten All-Terrain-Reifen und die Höherlegung aus. Auch ohne Untersetzung und Differentialsperre, wagten wir uns mit dem Möchtegern-Geländewagen an schwere Abschnitte und mussten zu meinem Erstaunen nie abbrechen.

Leidtragende war hierbei Verena, welche mich regelmäßig verfluchte. Hin und wieder präferierte sie einen kleinen Spaziergang und stieg später wieder zu - insbesondere steile Abfahrten sind nicht so ihr Ding gewesen.

Verena "geht auf Nummer sicher"

Am Ende haben wir den Park dann jedoch nicht alle ganz ohne Blessuren verlassen. So haben diverse Zweige auf Knupfer‘s Blechkleid ihre Spuren hinterlassen, so dass er nun von vorne bis hinten schön lange und tiefe Kratzer aufweist. Aber hier verhält es sich wohl wie mit Narben, jede Blessur erzählt eine Geschichte und macht einen zusätzlich interessant.

Vom Nationalpark ging es über David Gareja, dem ältesten Kloster Georgiens, wieder nach Tiflis, wo wir vor dem Grenzübergang nach Armenien nochmals eine Nacht verbringen wollen.


Das Kloster David Gareja

Unterwegs übernachteten wir an einem abgelegenen See. Als wir am nächsten Morgen wieder aufbrechen wollten, passte uns ein älterer Herr ab, welcher eben noch sein Glück beim Angeln probiert hatte. Er erklärte uns in bestem Georgisch sowie mit Händen und Füßen, dass wir doch mit ihm frühstücken sollten, was wir bereits wohlgesättigt annahmen.

Stolz führte er uns zu seiner Blechhütte um die Ecke, holte die noch mit Essensresten verklebten Teller hervor und rieb diese äußerst gründlich mit etwas Wasser und bloßen Händen sauber. Er war wohl etwas verschnupft, denn zwischendurch musste er immer wieder ordentlich auf die Teller niesen.

Anschließend drapierte er allerlei Leckereien auf den feuchten Tellern, unter anderem standen gekochte Ziegenkeule und ungewaschene Kräuter aus dem häuslichen Garten auf dem Speiseplan.

Als Begleitung gab es zum einen Kaffee wie ich ihn mag, schön wässrig und mit ordentlich Zucker, sowie vom eigenen Wein aus der Colaflasche (um 9 Uhr morgens). Serviert wurden sämtliche Getränke in undefiniert verschmutzten Gläsern.

Bekanntlich desinfiziert Alkohol ja, und so spülten wir jeden Bissen mit einem ordentlichen Schluck Wein hinunter. Die Ziegenkeule ließen wir dann aber doch dankend liegen, das wäre eine Nummer zu hart gewesen.

Zwar würden wir das Frühstück so nicht unbedingt wiederholen wollen, dennoch war es alles in allem eine recht amüsante und nette Begegnung, welche uns wohl in Erinnerung bleiben wird.

Nach ein paar Gläsern Wein liegt Verena bereits in Niko's Armen ;-)


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