Der Norden von Armenien
In Tiflis bekamen wir alle nochmals eine Grundreinigung. Knupfer ging es mit Dampfstrahler und Staubsauger an den Kragen und wir gönnten uns ein Schwefelbad samt Peeling in einem der historischen Badehäuser.
Frisch gewaschen machten wir uns auf nach Armenien, wo man uns
am Grenzübergang gleich viel Vertrauen entgegenbrachte. Denn allein die
mündliche Bestätigung einer gültigen Covid-Impfung reichte aus und nach einer anschließenden
Schnitzeljagd durch diverse Amtszimmer, hieß es „schnorrhakalutsjun“ (Lautschrift
des wohl kompliziertesten Wortes für Danke) „now go Armenia“.
Abrupt hörten nach Grenzübertritt auch Knupfer‘s ständiges
Klappern und Knarzen auf, denn die Straßen wiesen nun deutlich weniger der in
Georgien fast liebgewonnen Schlaglöcher auf. Auch waren wir anfangs leicht
irritiert, als uns über Kilometer hinweg partout niemand überholen wollte. Erleichtert
stellten wir irgendwann fest, dass es hier wohl einfach nur etwas entspannter
im Straßenverkehr zugeht.
Armenien gilt als die Wiege des Christentums und so ist es
nicht verwunderlich, dass es hier nur so von Kirchen und Klöstern wimmelt. Im
Norden besuchten wir unter anderem die beiden bekannten UNESCO Weltkulturerben Haghbat
und Sanahin. Entgegen unserer Erwartung waren wir hiervon total begeistert. Die
Bauten sind archetektonische Meisterwerke ihrer Zeit und wirken durch den durchweg
eingesetzten grauen Stein und die Abwesenheit von farblichem Dekor richtig
mystisch. Fast kam in den großen düsteren Räumen etwas Ehrfurcht auf.
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| Die dunkeln Kirchen Armeniens |
Dennoch nahmen wir Mount Aragats, den höchsten Berg
Armeniens in Angriff. Bereits bei der Anfahrt standen wir vor der ersten
Herausforderung, denn wo anfangs noch gut geräumt war, blockierte plötzlich ein
schwer arbeitendes Kettenfahrzeug mit Schneeschild den Weg – wir waren
punktgenau zur ersten Schneeräumung des Jahres angereist. Also ging es zu Fuß
über eine meterhohe Schneedecke weiter bergauf, bis wir auf ca. 3000m Höhe eine
kleine Ebene erreichten. Zwei Armenier, welche hier in der Einsamkeit eine
Wetterstation betreuen, berichteten uns, dass wir die ersten Touristen des
Jahres seien, bisher hatte sich noch niemand hierher verirrt.
Sehr gerne hätten wir noch die letzte Etappe zum Berggipfel
in Angriff genommen, jedoch zwang uns eine aufziehende Schlechtwetterfront dann
doch zum Rückzug.
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| Leider haben wir die Schneeketten zuhause gelassen |
Nun waren wir im Dienste der Wissenschaft unterwegs, denn in
Steinwurfnähe befinden sich gleich zwei Prestigeanlagen der ehemaligen
Sowjetunion.
Zuerst besuchten wir ein astrologisches Observatorium, wo sich
Verena ihren Beifahrersitz mit einem sehr enthusiastischen Wissenschaftler
teilte und wir gemeinsam zum größten Teleskop des Campus fuhren. Die Anlage ging bereits in den 1960er Jahren
in Betrieb und wird bis heute aktiv genutzt.
Früher, so erzählte der Astrologe, welcher schon zu Zeiten
der Sowjetunion angestellt war, gab es Gelder im Überfluss, alle Anträge wurden
durch Moskau freigegeben. Jedoch gab es viele Restriktionen.
Zwar ist der Austausch mit internationalen Kollegen nun
uneingeschränkt möglich und es gibt weniger Vorgaben, jedoch herrscht seit dem
Zerfall der Sowjetunion akuter Geldmangel, die Wissenschaft wird nicht mehr
gefördert. Und sofern doch einmal Gelder zur Verfügung gestellt werden,
versickern diese in dunklen Kanälen.
So sitzt der Frust tief, denn der langgediente
Wissenschaftler, bekommt einen Hungerlohn von umgerechnet 200 USD, manch junger
Kollege müsse sogar mit 100 USD im Monat auskommen.
Zum Vergleich: Ein Liter Benzin kostet in Armenien etwas
über 1 USD.
Immerhin wird seit Anfang der 2000er Jahren kein analoger Kodak-Film mehr belichtet, sondern die Daten werden direkt mit einem CCD- Chip erfasst.
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| Der ganze Stolz des Astrologen - das "2,6m Teleskop" |
Nächster Stopp war das Orgov Radioteleskop, kurz ROT54. Für
den Besuch hatten wir uns im Vorfeld beim „NATIONAL BODY FOR STANDARDS AND
METROLOGY“ eine Genehmigung eingeholt.
Ebenfalls zu Sowjetzeiten konstruiert, ist die Anlage seit
den 90er Jahren dem Zerfall ausgesetzt. Sämtliche Versuche von Restaurationen
und Wiederinbetriebnahmen sind aufgrund von Finanzierungsschwierigkeiten
gescheitert.
Eigentlich sollte uns ein Mitarbeiter des
Sicherheitspersonals begleiten, jedoch hatte der gelangweilte Kollege keine
Lust dazu. Nach einem Blick auf die Genehmigung hieß es „Dawai“ und wir waren allein
im Areal unterwegs.
Beim Anblick der verlassenen und überdimensionalen
technischen Gerätschaften kam auch gleich postapokalyptische Stimmung auf. Mein
Entdeckerdrang war geweckt und Verena harrte geduldig aus, bis ich auch den
letzten Stein umgedreht hatte.
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| Während Verena Karussell fährt... |
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| ...erkunde ich lieber die Gegend (ich bin übrigens auch auf dem Bild) |
Aber als der letzte Versuch, auf die Kommandobrücke zu
gelangen gescheitert war, musste ich mich dann doch losreisen und es ging
weiter Richtung Jerewan.
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| Einer unserer Stellplätze im Norden Armeniens |


















Tolle Erlebnisse. Aber wir bewundern auch euren Mut. Das klingt doch sehr nach Abenteuer pur. Alles Gute und weiterhin so interessante Erlebnisse. Angelika und August
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